Eintrag vom 23. März 2020

Eineinhalb Wochen nach Verkündung der notwendigen Maßnahmen

Seit dem 13. März 2020, dem Tag, an dem die ersten massiv sicht- und merkbaren Maßnahmen der Bundesregierung von Österreich verkündet wurden, sind nun schon zehn Tage vergangen. Zehn Tage, in denen man viele deutliche Veränderungen im Bereich der Ausbreitung des COVID-2019 und im Bereich der Menschheit wahrnehmen konnte. Beispielsweise gehören zu der aktuellen Lage in Wien unter anderem menschenleere Straßen, die vor zwei Wochen noch komplett überfüllt waren, mehrere Abteilungen in den Supermärkten, die durchgehend so gut wie komplett leergekauft werden, sowie eine zum Großteil permanente Unruhe und Ungewissheit in der Gesellschaft, da keiner so wirklich abschätzen kann, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen soll beziehungsweise was auf die Bevölkerung zukommen wird.

"The fury of the virus illustrates the folly of war. That is why today, I am calling for an immediate global ceasefire in all corners of the world. It is time to put armed conflict on lockdown and focus together on the true fight of our lives." - António Guterres (als Generalsekretär der Vereinten Nationen) - März 2020

Anfangs schienen die Maßnahmen, wie zum Beispiel die Schließung aller Universitäten, Schulen und nicht lebensnotwendigen Geschäften, die Untersagung diverser Veranstaltungen, bei denen mehrere Personen (Outdoor-Veranstaltungen: 500 Personen; Indoor-Veranstaltungen: 100 Personen) erwartet wurden sowie das Appel an die Bevölkerung, die sozialen Kontakte auf ein mögliches Minimum zu reduzieren, etwas absurd und ein Stück weit übertrieben. Zu diesem Zeitpunkt waren schließlich gerade einmal 200 bestätigte Fälle in ganz Österreich und somit nicht einmal ansatzweise so viele wie in unseren Nachbarländern Deutschland oder gar Italien. – Schlichtweg gesagt: Mir war die Situation zwar nicht gerade geheuer, machte mir aber diesbezüglich keine großen Gedanken.

Aufgrund der sofort durchgeführten Schulschließung, der Einstellung des Lehrbetriebes meines Arbeitgebers sowie der Aufforderung, die sozialen Kontakte zu minimieren, war ich somit, bis auf ein paar Ausnahmen, mehr oder weniger gezwungen, mich die kommenden Tage in der Wohnung aufzuhalten.

Ursprünglich war ich der Annahme, dass die nun folgenden Tage oder Wochen eine etwas angenehmere Zeit wären, in der ich täglich die von der Schule zugeschickten Arbeitsaufgaben erledigen würde, ansonsten aber eigentlich nicht allzu viel Stress haben sollte. Schließlich fielen der Arbeits- und Schulweg sowie die Weiterbildung an meinem Ausbildungsbetrieb weg. Die Realität ist diesbezüglich aber leider das komplette Gegenteil.

Bereits am ersten Tag, an dem wir alle versuchten, ein Stück weit von der restlichen Bevölkerung abgeschottet zu leben, wurden Arbeitsaufgaben zur Verfügung gestellt, welche verständlicherweise bis zu dem vorgegebenen Abgabetermin zu erledigen sind. Ich überflog diese und kam zu folgendem Entschluss: „Viel – aber machbar!“
Nachdem an den nachfolgenden Tagen aber immer mehr Aufgabenstellungen nachgeschickt wurden und ich allmählig den Überblick verlor, änderte sich meine Stimmung, Einstellung und auch Arbeitsweise schnell. Die Nächte wurden kürzer und es gab stellenweise Momente, an denen ich verzweifelt vor den Unterlagen saß und nicht wusste, mit welchen Aufgaben ich beginnen sollte.

Während ich mehrere Tage zum größten Teil mit der Erledigung der Schulaufgaben beschäftigt war, verschlechterte sich die Gesamtlage in Österreich spürbar. Es wurden weitere Maßnahmen verkündet, zu denen unter anderem die Untersagung von Besuchen in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, eine enorme Einschränkung des Flugverkehrs sowie viele weitere Grenzschließungen entlang der österreichischen Grenze gehörten. Weiters wurden Gruppierungen, welche aus mehr als fünf Personen bestehen würden, untersagt sowie mehrere Ortsgebiete in Tirol unter Quarantäne gestellt, da es dort zu einer massiven und rasanten Verbreitung des COVID-2019 kam.

Durch das tägliche Verfolgen der Pressekonferenzen sowie Lesen der Zeitungsartikel komme auch ich allmählig ins Grübeln. Ist die Lage mit dem SARS-CoV-2-Erreger tatsächlich dramatischer, als ich ursprünglich annahm? Wird unser Gesundheitssystem der Krise standhalten, oder wird es genauso zusammenbrechen, wie jene Systeme aus den schwer betroffenen Ländern? – Tatsächlich bin ich mir nicht sicher und weiß selbst nicht genau, was ich von der aktuellen Lage halten soll.

Informiert man sich auf den diversen sozialen Internetplattformen zu dem Thema, so sieht man schnell, dass die Bevölkerung zum Teil sehr unterschiedliche Ansichtssachen hat.
Scheinbar gibt es einen Teil der Gesellschaft, der der Ansicht ist, dass uns die mächtigen Politikerinnen und Politikern etwas bezüglich des COVID-2019 verheimlichen. Angeblich soll uns eine weit schlimmere und weltweite Krise des Virus erwarten, welche ein großer Prozentsatz der Erdbevölkerung nicht überstehen wird.

Ebenso gibt es Personen, die plötzlich beginnen, massenweise Lebensmittel oder Vorräte kaufen, um diese bunkern zu können, oder aber auch Leute, die die gesamte Situation hinunterspielen und scheinbar den Ernst der Lage nicht erkennen. Oftmals werden hierbei die verordneten Maßnahmen ignoriert oder missachtet, was natürlich für die Gesamtsituation nicht förderlich und absolut fahrlässig ist.

Ich persönlich kann zwar viele dieser Ansichten nachvollziehen, doch warum nicht einfach ein gesundes Mittelmaß zwischen Panik und Furchtlosigkeit?

3.924 bestätigte Infektionsfälle sowie 21 Todesfälle in Österreich (Stand vom 23. März 2020, 15:00 Uhr)

Fakt ist, dass wir uns hierorts offensichtlich gerade einmal in der Anfangsphase befinden. Wie es in der nahen Zukunft aussehen könnte, können wir uns anhand der Krankheitsabläufe in China und Italien ausmalen.

Da so eine Situation, wie es aktuell in den Nachrichten aus den schwer betroffenen Ländern zu sehen ist, verständlicherweise unter allen Umständen zu vermeiden ist, war es meines Erachtens nach vernünftig und auch wichtig, dass Österreich bereits so früh und fast schon radikal auf die innerörtliche Ausbreitung des Virus reagiert hat.

Halten wir die verordneten Maßnahmen, welche nun schon bis zum 13. April 2020 verlängert wurden, so ein, wie es von der Bundesregierung vorgesehen und verlangt wird, können wir vielleicht eine deutlich schlimmere Ausbreitung des COVID-2019 verhindern. Ob uns dies allerdings gelingt, und ob die gesetzten Maßnahmen wirklich ausreichen, werden wir erst zu einem späteren